Die Grube | 05.06.2007 |
Er ist hier.
Zwielicht. Dunkelheit. Wie kam er hierher? Um ihn herum nur dunkelgrüne und -braune Schemen. Nichts ist greifbar. Wo ist er? Seine Blicke versuchen die Dunkelheit zu durchbohren, doch sie ist undurchdringbar. Er ist barfuß. Seine Zehen ertasten eine Kante. Seine dicken Zehen ertasten eine weiche bröselnde Kante; sein Blick wandert langsam nach unten.
Gänsehaut. Er fröstelt. Es läuft ihm kalt den Rücken hinunter. Angst überkommt ihn. Sein Körper verkrampft sich. Die Erde unter seinen nackten Zehen bröckelt ein wenig mit jeder tastenden Bewegung und seine Zehen graben sich auf der Suche nach Halt krampfhaft in die feuchte Erde. Ein kalter Windhauch umweht ihn von hinten.
Fynn wagt keinen Schritt zu machen. Furcht. Angst davor, das Gleichgewicht zu verlieren.
Sein Blick erreicht seine Füße. Aus Angst wird Panik. Vor ihm liegt Dunkelheit. Was die Kante den Augen an Halt bietet, beschreibt einen weiten Bogen. Ein riesiges tiefes Loch klafft vor ihm auf. Kein Boden ist zu erahnen. Nur Schwärze. Ein Zittern durchfährt seinen Körper. Sein Atem ist flach und schnell. Kalter Schweiß steht auf seiner Stirn. Fynns Körper bewegt sich nicht. Seine Zehen suchen verkrampft nach Halt. Sein Herz rast.
Plötzlich ein harter Stoß. Seine Versen verlieren den Kontakt zum Boden. Die Erde bricht unter seinen Füßen. Fynn fällt in die Schwärze und wird von ihr verschluckt. Er fällt. Unaufhaltsam rast er in die Tiefe. Der Fall scheint nicht zu Enden. Seine Haare flattern. Das panische Kreischen schmerzt in seinen Ohren. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit kann Fynn ausmachen, dass sein Fall im nächsten Moment jäh endet. Für einen Augenblick erahnt er, auf was er im nächsten auftreffen wird.
Fynn schlägt auf die Arme und Beine. Die Körperfetzen bremsen seinen Falle auf. Er sinkt hinein. Arme, die von ihren Körpern gerissen wurden, abgetrennte Köpfe. Die Grube ist gefüllt mit Leichenteilen. Unweigerlich sinkt er immer tiefer hinab. Er rutscht zwischen dem Fleisch und den Knochen in die Tiefe. Ihm wird schwarz vor Augen.
Innerhalb von Sekundenbruchteilen kommt er zu sich. Er findet sich an einem zwielichtigen düsteren Ort wieder. Unkenntliche Schemen umgeben ihn. Er versucht sich zu orientieren, aber seine Augen finden keinen Halt. Als seine Zehen die Kante ertasten trifft Fynn ein harter Stoß von hinten und er fällt...